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Darf es noch ein Schild mehr sein?

Am 02. Mai veröffentlicht der Kreis-Anzeiger einen Artikel über ein Vorhaben des  Magistrats der Stadt Büdingen über geplante nächtliche Geschwindigkeitsbeschränkungen für LKW in Büdingen und Ortsteilen. Als löbliche Maßnahme zur Entlastung der durch Verkehr stark in ihrer Nachtruhe gestörten Anwohner der im Artikel genannten Straßen und Ortsteile ist diese durchaus zu begrüßen, doch stellt sich die Frage ob weitere Tempolimits den gewünschten Effekt erzielen.

Wer die nächtlichen Rennstrecken in Büdingen und den Ortsteilen kennt, weiß um die faktische Wirkungslosigkeit solcher Beschränkungen. Die Schilder mit der "30" im roten Kreis stellen schon am Tag, zumindest in den Ortsteilen ohne fest verbaute Blitzer für den überwiegenden Teil der Verkehrsteilnehmer lediglich eine Empfehlung dar. Man hält sich dran oder ignoriert es ganz nach Belieben. In der Nacht sind diese Schilder nur zu oft eine Aufforderung die darauf angegebene Geschwindigkeit möglichst weit zu übertreffen.

Wer die in der wärmeren Jahreszeit wieder vermehrt auftretende Spezies der  "Poser", "Hipster" und sonstige merkbefreite Gestalten kennt, die mit ihren Fahrzeugen der Proll-, Protz- und Radauklasse die Anwohner in den Straßen rund um und in der Altstadt oft durch infernalischen Lärm aus möglicherweise nicht ganz serienmäßigen Auspuffanlagen in Kombination mit weit aufgedrehten Musikanlagen sowie vorpubertär anmutende Beschleunigungs- und Bremsorgien terrorisieren, kann über den Vorstoß des Magistrats nur genervt lächeln.

Es mögen zwar in den Ortsteilen durchaus LKW und landwirtschaftliche Zugmaschinen mit für die nächtlichen Ruhestörungen verantwortlich sein, doch sind es überwiegend Fahrzeugführer in PKW, die sich um bestehende Tempolimits keinen Deut scheren und somit den größten Anteil daran tragen.

Grund für das notorische Fehlverhalten ist der nicht existente Kontrolldruck. In Büdingen an den Ortsausgängen und sehr wenigen Ortsteilen wird immer an den gleichen Stellen zu den gleichen Bürozeiten "geblitzt". Wie Wirkungsvoll. Man könnte die Uhr danach stellen. Und vor allem ohne jeglichen verkehrserzieherischen Wert. Wo genau liegt der Gefahrenpunkt nochmal wenn der Blitzer fünf Meter vor dem Ortsausgangsschild in der Orleshäuser Straße Richtung Orleshausen aufgebaut wird? Am dahinter liegenden einmündenden Feldweg?

Unerwartet Geschwindigkeitskontrollen zu allen möglichen und unmöglichen Uhrzeiten und Tagen an wechselnden Orten wäre ein wesentlich wirksameres Mittel die verantwortungslose Raserei und den an Wochenenden schon fast rituellen lärmenden Kreisverkehr in und um die Altstadt in den Griff zu bekommen. Ruhig auch mal in der Nacht von Freitag auf Samstag um 21:30 Uhr in der Brunostraße oder vor der Pizzeria Rusticana in der Gymnasiumstrasse. Sehr zu empfehlen für unerwartete Geschwindigkeitskontrollen ist unter der Woche die Bahnhofstraße oder die Düdelsheimer Straße in Richtung Büches.

Gern können es auch umfassende abendliche Verkehrskontrollen zusammen mit Polizei und TÜV sein. Gerade letzterer dürften sich an so mancher kreativ modifizierter Auspuffanlage interessiert zeigen. In Verbindung mit Drogen- und Alkoholtests könnte zusätzlich ein durchaus interessanter Effekt eintreten.

Das Geld für neue, letztendlich überflüssige Schilder mit Tempolimits wäre besser in Nachtdienst- und Wochenendzuschlägen für die Mitarbeiter des Ordnungsamtes angelegt. Die Kosten dafür sind sehr schnell wieder eingenommen. Garantiert.