Büdingen

… der ganz alltägliche Wahnsinn …

Der „Frühstücksdirektor“

Aus der Rubrik „wie erkläre ich es meinem Wähler“ möchte ich heute den von Heidi Schlösser eingebrachten Titel für Erich Spamer näher beleuchten. Sehen wir mal bei der Wikipedia nach was der Begriff bedeutet:

Als Frühstücksdirektor wird abwertend oder umgangssprachlich ein Leitender Angestellter bezeichnet, der in einem Unternehmen oder einer sozialen Institution vom äußeren Status her eine herausgehobene Position innehat, der aber wegen fehlender Entscheidungskompetenzen oder fachlicher Eignung keine wirkliche Führungstätigkeit ausübt.

Es handelt sich also um eine repräsentative Funktion für einen Direktor ohne operativen Aufgabenbereich, der nur zum „zweiten Frühstück“ in die Firma kommt oder der lediglich damit beauftragt ist, mit wichtigen Kunden oder Gästen zu frühstücken beziehungsweise essen zu gehen. Häufig sind es Strohmann-Geschäftsführer, hoch dotierte Versorgungsposten für ehemalige Politiker sowie Verbandsfunktionäre, für mittellose Adlige mit wohlklingenden Familiennamen und Titeln, für prominente Spitzensportler nach Beendigung ihrer Karriere usw. oder auch Manager auf einer Abschiebeposition. In diesem Sinne wird die Bezeichnung Frühstücksdirektor auch als Werkzeug des Mobbing eingesetzt.

Quelle: Wikipedia

Für mich trifft keines der genannten Kriterien auf unseren alten und jetzt wieder neuen Bürgermeister zu. Wenn die Bedeutung nicht bekannt ist, kann sich eine aufgeschnappte und im falschen Zusammenhang wiedergegebene Bezeichnung als hübscher Bumerang erweisen.

Merke: das Internet ist dein Freund, Google weiss alles und in der Wikipedia kann man (frau) die Bedeutung unbekannter Begriffe nachlesen.

Wie politisch darf der Wähler sein?

Wie der Herbst auf den Sommer folgt kam es schon in der vergangenen Wahlnacht zu ersten Schuldzuweisungen lokaler Politprominenz. Nicht die eigene Strategie war falsch, nein der Wähler hat die große Vision nicht verstanden und trägt Schuld an dem für die zwei großen Parteien nicht sehr glücklich verlaufenen Wahlausgang der Bürgermeisterwahl in Büdingen.

“Das ist das Votum der unpolitischen Mehrheit, die sich nach wie vor von einem Frühstücksdirektor blenden lässt”.

So äußerte sich eine verbitterte Heidi Schlösser, ihres Zeichens Fraktionsvorsitzende der SPD Büdingen über die 6.524 Wähler, die dem Amtsinhaber Erich Spamer erneut das Vertrauen aussprachen und ihm eine weitere Amtszeit als Bürgermeister der Stadt Büdingen ermöglichen.

Kein Wort der Selbstkritik, kein Hinterfragen der überbrachten Botschaft- so sie denn vorhanden war- nein, wie nicht anders zu erwarten Vorwürfe an die Adresse des Wählers. Der hat durchaus den SPD Wahlkampfslogan „Büdingen entscheidet“ aufgenommen und entschieden. Leider nicht so wie es die Büdinger SPD erhoffte.

Wesentlich differenzierter sah es der unterlegene Kandidat Bernd Christoph Skudelny.

“Nein, Wähler lassen sich nicht blenden. Die überlegen sehr wohl, wo sie das Kreuzchen machen. Jetzt müssen wir einiges aufarbeiten.”

Wahre Worte. Der Wähler ist mitnichten so uninformiert und unpolitisch wie es Frau Schlösser unterstellt. Wie bitte soll sich der Wähler mitteilen, wenn nicht in Wahlen?

Ebenso souverän äußerte sich der CDU- Kandidat Heinz-Walter Müller.

“Als Opposition haben wir viel zu lange persönliche Nadelstiche setzen wollen, statt die Sachpolitik in den Vordergrund zu stellen. Das muss sich ändern.”

Respekt Herr Müller, wenigstens Sie haben das Kernproblem erkannt. Bleibt die Frage offen ob die großen Strategen der Büdinger CDU ihre Haltung überdenken und endlich die auch von Ihnen vermisste Sachpolitik vor persönliche Befindlichkeiten stellen. Das werden die nächsten Tage zeigen. Warten wir die kommenden Pressemeldungen ab. Persönlich glaube ich nicht daran, doch lasse ich mich gern vom Gegenteil überzeugen.

Aber zurück zu Frau Schlösser. Eine gewisse Selbstreflexion lässt sie angesichts ihrer Aussage vermissen. Eine sachliche und professionelle Auseinandersetzung mit dem Willen des Wählers sieht meines Erachtens etwas anders aus als das, was dem Redakteur des „Kreis-Anzeiger“ in die Feder diktiert wurde. Vielleicht besinnt sie sich für die kommenden Jahre mit einem Bürgermeister Spamer auf einen seriösen Dialog.

Wünschenswert wäre dies jedenfalls.

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