Büdingen

… der ganz alltägliche Wahnsinn …

Der Komödie nächster Akt

Nach mehr als eineinhalb Jahren nähert sich der Aus- und Umbau der Bahnhofstraße seinem Ende. Das ist auch gut so. Ständige Straßensperrungen, Umleitungen und der Hindernislauf für Fußgänger sollten dann der Vergangenheit angehören. Wie man in den letzten Monaten sehen konnte, ist unseren Parlamentariern- oder kam das nur aus der Stadtverwaltung? – ein recht interessantes Konzept der Refinanzierung des städtischen Anteils der Baukosten eingefallen.

Der Geniestreich nannte sich „aktive Parkraumbewirtschaftung“. Nicht als Synonym für Überwachung des ruhenden Verkehrs, nein im direkten Wortsinn. So wurden tatsächlich die ohnehin schon im Zug des Umbaus verringerten Parkplätze noch weiter reduziert indem einer der Parkplätze den Beispielen der Vor- und Altstadt folgend an eine Bäckereikette vermietet und in ein Freiluftcafe umgewidmet wurde. Macht natürlich Sinn- langfristiger Mietverträge bringen mehr Geld ein als ein parkendes Kfz. Spart auch noch Personalkosten, vermietete und zweckentfremdete Parkplätze müssen ja nicht mehr durch Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf potentielle Falschparker kontrolliert werden. Zum Glück wurde dieses ziemlich merkwürdige Experiment zumindest in der Bahnhofstraße nach Protesten beendet. In der Vor- und Altstadt dauert es leider immer noch an.

Apropos Altstadt: dort wäre in den Abend- und Nachtstunden sowie an den Wochenenden ausgezeichnete Gelegenheit zum Füllen des klammen Stadtsäckels gegeben. Beschleunigungsrennen, überlaute Musik – unbestätigten Gerüchten zufolge sollen sich einige Kfz nur durch die Bassschläge ihrer Musikanlagen fortbewegen – und irrwitzigste Parkmanöver an den unübersichtlichsten und engsten Stellen sind gemessen an der StVO eine mehr als interessante Einnahmequellen. Mit einem aktuellen Bußgeldkatalog ausgerüstet, kann jeder an einem lauen Sommerabend nachrechnen was da für den Stadtsäckel zusammen kommen könnte.

Bitte liebe Parlamentarier- seid ausnahmsweise mal kreativ und genehmigt die Personalkosten für Nacht- und Wochenendeinsatz des Ordnungsamtes. Die Anwohner werden es euch von Herzen danken. Oder vergebt es wie die Gemeinde Hirzenhain an einen privaten Dienstleister und teilt euch die Einnahmen.

Zu einer weiteren unendlichen Geschichte wird die Reaktivierung des ehemaligen Kaufhaus Joh. Erst gab es keinen Investor (das Büdinger Lieblingswort), dann doch wieder, danach Verwirrung um einen gestellten/verzögerten/verschwundenen Bauantrag. Jetzt schien endlich alles in trockenen Tüchern, da kam die nächste Hiobsbotschaft in der Tragödie nächstem Akt. Bekanntermaßen soll das Gelände Wallasch dem umgebauten Joh zugeschlagen, der Fa. Wallasch in der Orleshäuser Straße ein neues Gelände mit neuem Gebäude errichtet werden. Nun hat der Eigentümer des Gebäude Joh, die Firma unimo irgendwie „vergessen“ die dafür notwendigen Gelder anzuweisen. So wird das nichts mit dem Bau der neuen wirtschaftlichen Stadtmitte.

Lasst uns flanieren…

Ja doch, der Umbau der Bahnhofstraße soll es richten. Die Altstadt ist gewerblich mehr als tot, das Kaufhaus „Joh“ schließt nach 40 Jahren in Büdingen, das Industriegebiet ist auch nicht mehr das was es einst war, das Kasernengebiet modert still vor sich hin. Nach Jahrzehnten der verschlafenen Stadtentwicklungsplanung muss jetzt die Bahnhofstraße dran glauben und wird zum Wohl des Bürgers in eine Flaniermeile umgestaltet.

…. Der Impuls für die Aufwertung der Bahnhofstrasse zur innerstädtischen Flanierzone erfolgt durch den Umbau der Straße. Ziel ist hierbei die Schaffung eines räumlichen Zusammenhangs durch Straßenbegrünungen mit der heterogene Rand stärker geschlossen werden kann, eine Erweiterung der Flächen für Fußgänger und Radfahrer sowie integrierte Stellplätze.“

Soweit die Ankündigung aus dem Handlungskonzept der Planungsgruppe Darmstadt. Den Ist- Zustand kennt jeder Büdinger und hat ihn schon mehr als einmal verflucht. In Zeiten des Berufs- oder sonstigen stärkeren Verkehrsaufkommens ist die Bahnhofstraße schon jetzt nur noch im „Stop & Go“ Verkehr zu befahren. Hier ein LKW, da ein Bus, ab und zu die Fußgängerampel vor dem Amt für Bodenmanagement (sollten da nicht auch Bäume davor gepflanzt werden?) auf „Halt“ und schon stehen alle Räder still. Auch eine Art von Verkehrsberuhigung.

Nach Jahren der Planung erfolgte jetzt die vollmundige Ankündigung des Umbaus. Im Januar, eventuell im Februar, nein spätestens im März soll der Umbau starten. Fragt sich nur in welchem Jahr. 2010 wird das bestimmt nichts mehr. Die Bauleistung ist meinem Wissen nach noch nicht ausgeschrieben und die Straßenbaufirmen haben dank des milliardenschweren Konjunkturpaketes die Auftragsbücher voll. So ein klitzekleines Versehen ficht natürlich niemanden an, kann ja mal passieren.

Wenn der Umbau trotz aller Versäumnisse vielleicht im übernächsten Jahr abgewickelt ist, hat Büdingen eine neue Straße, die jeden der eigentlich nur durchfahren will in seinen Bann schlägt und zum Verweilen animiert. Der Flaneur hat dann die Wahl zwischen fünf oder sechs Bäckereien mit angeschlossenen Cafes, zwei Schuhgeschäften und einem Bürofachhandel. Ungeheuer verlockend. Wäre dann noch die Frage der Parkplätze. Das Planungskonzept sieht Sitzgelegenheiten und Bäume am Straßenrand vor. Wo sollen die Autos dann hin? Das Parkhaus reanimieren? Diese Investitionsruine könnte durch Parkraumverknappung edlich ihrem eigentlichen Zweck zugeführt werden.

Der „Frühstücksdirektor“

Aus der Rubrik „wie erkläre ich es meinem Wähler“ möchte ich heute den von Heidi Schlösser eingebrachten Titel für Erich Spamer näher beleuchten. Sehen wir mal bei der Wikipedia nach was der Begriff bedeutet:

Als Frühstücksdirektor wird abwertend oder umgangssprachlich ein Leitender Angestellter bezeichnet, der in einem Unternehmen oder einer sozialen Institution vom äußeren Status her eine herausgehobene Position innehat, der aber wegen fehlender Entscheidungskompetenzen oder fachlicher Eignung keine wirkliche Führungstätigkeit ausübt.

Es handelt sich also um eine repräsentative Funktion für einen Direktor ohne operativen Aufgabenbereich, der nur zum „zweiten Frühstück“ in die Firma kommt oder der lediglich damit beauftragt ist, mit wichtigen Kunden oder Gästen zu frühstücken beziehungsweise essen zu gehen. Häufig sind es Strohmann-Geschäftsführer, hoch dotierte Versorgungsposten für ehemalige Politiker sowie Verbandsfunktionäre, für mittellose Adlige mit wohlklingenden Familiennamen und Titeln, für prominente Spitzensportler nach Beendigung ihrer Karriere usw. oder auch Manager auf einer Abschiebeposition. In diesem Sinne wird die Bezeichnung Frühstücksdirektor auch als Werkzeug des Mobbing eingesetzt.

Quelle: Wikipedia

Für mich trifft keines der genannten Kriterien auf unseren alten und jetzt wieder neuen Bürgermeister zu. Wenn die Bedeutung nicht bekannt ist, kann sich eine aufgeschnappte und im falschen Zusammenhang wiedergegebene Bezeichnung als hübscher Bumerang erweisen.

Merke: das Internet ist dein Freund, Google weiss alles und in der Wikipedia kann man (frau) die Bedeutung unbekannter Begriffe nachlesen.

Hallo Büdingen

Nach langen Jahren der bewussten Abstinenz, nein eigentlich offenen Ablehnung von allem was mit der Stadt Büdingen zu tun hat, habe ich mich dazu entschieden,  mit diesem Blog den alltäglichen Wahnsinn in und um Büdingen zu kommentieren.

Der Grund dafür ist… ja was ist er eigentlich? Ich könnte es weiter wie bisher mit dem “Götz von Berlichingen” Zitat halten, alles ignorieren und Gott einen gutem Mann sein lassen. Vielleicht möchte ich mich nicht länger von den geschönten oberflächlichen Artikeln der unabhängigen lokalen Presse und deren Unmöglichkeit objektiver Berichterstattung veralbern lassen. Egal welche Zeitung ich aufschlage, lese ich nur von Querelen innerhalb der Stadtverwaltung, dröge Berichte von und über Büdinger Vereine und den Zank der Parteien untereinander sowieso. Und überhaupt ist nach Meinung bestimmter örtlicher Honoratioren Erich Spamer an allem Schuld. Wahrscheinlich auch wenn es morgen regnet.

Apropos Bürgermeister:

Ich habe bewusst den heutigen Tag, den “Superwahltag” als Start für meinen Blog gewählt. Eigentlich bin ich kein sehr politischer Mensch, nur gehe ich mit offenen Augen durch die Welt, mache mir meine Gedanken zu verschiedensten Dingen und weiss, dass ich von den politischen (1) und wirtschaftlichen (2) Eliten schlichtweg verarscht und von den Medien in Übereinstimmung mit 1 und 2 vorsätzlich dumm gehalten werde. Ich darf mit meinen zwangsweise abgepressten Steuern (mit meinen paar Kröten bin ich für die Spezies der Steueroptimierer ziemlich uninteressant) “notleidende” milliardenschwere Banken unterstützen, Überkapazitäten der deutschen Autoindustrie mit meinem mühsam verdienten Euroleins erhalten helfen und darf als Gegenleistung für die  großzügigen Geschenke meiner Regierung alle paar Jahre aussuchen wer mir auf möglichst kreative Art den Geldbeutel leert. Nicht dass ich etwas davon hätte, aber warum kleinlich sein? Man ist ja schließlich solidarisch mit denen, die eh schon genug haben. Ansonsten soll ich als “mündiger Bürger” den Mund halten, Politik denen überlassen, die lange genug Plakate geklebt oder die richtigen Beziehungen haben und was in Deutschland gilt, gilt in Büdingen erst recht.

Wie schön, dass es das Internet gibt. Gewisse Politiker wie unsere Zensursula von der Leyen möchten es unter dem Vorwand des Kampfes gegen Pädophile am liebsten verbieten, unserem Wolfgang “du-bist-verdächtig” Schäuble ist alles was er nicht kontrollieren kann generell suspekt und von freier Meinungsäußerung halten viele politisch Aktive in Deutschland sowieso wenig. Mal abgesehen von den “Piraten”, aber die sind bei den Wahlergebnissen unter “Sonstige” gelandet. Der Bürger hat das Maul zu halten, Daily Soaps zu schauen und das VolksBILDungsblatt zu lesen. Wohin das führt könnten wir uns täglich in den so genannten “Nachrichten” im TV ansehen.

Hier schließt sich der Kreis zu Büdingen. In grauer Vorzeit- im Internetzeitalter sind zehn Jahre Ewigkeiten- hatte ich mit meinen Partnern für die Stadt Büdingen eine kleine Webseite in eigener Regie und die ersten Jahre auf eigene Kosten erstellt, mit der wir unsere schöne Stadt in der großen weiten Welt präsentierten. Teil dessen war auch ein interaktives Forum mit Themendiskussionen rund um unserer beschauliches Städtchen, auch Personen der Zeitgeschichte kamen nicht zu kurz, einfach alles was eine Stadt lebens- und liebenswert macht wurde darin diskutiert. Nach den ersten Erfolgen kam dann das was nicht nur in Büdingen übliche Praxis ist- die Politik mischte sich ein und so ging ein hoffnungsvoll begonnenes Projekt den Weg all dessen was ihnen unbequem ist.

Jetzt mache ich da weiter wo ich vor Jahren aufhören musste.

Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Leserbriefe werden meiner Ansicht nach nicht unbedingt so wiedergegeben, wie es die Intention des Verfassers ist. Das viel beschworene Web2.0 bietet mir mit diesem Blog – das ist der neudeutsche Begriff für Tagebuch – die Möglichkeit, meine Ansichten so wiederzugeben wie ich es meine. Ich werde in unregelmäßigen Abständen aktuelle Themen aus und um Büdingen aufgreifen, mit meinen Gedanken garnieren und Sie daran teilhaben lassen.

Nun denn, auf gutes Gelingen!

Büdingen, 27.09.2009

Ralf Künne

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