Lasst uns flanieren…
Ja doch, der Umbau der Bahnhofstraße soll es richten. Die Altstadt ist gewerblich mehr als tot, das Kaufhaus „Joh“ schließt nach 40 Jahren in Büdingen, das Industriegebiet ist auch nicht mehr das was es einst war, das Kasernengebiet modert still vor sich hin. Nach Jahrzehnten der verschlafenen Stadtentwicklungsplanung muss jetzt die Bahnhofstraße dran glauben und wird zum Wohl des Bürgers in eine Flaniermeile umgestaltet.
…. Der Impuls für die Aufwertung der Bahnhofstrasse zur innerstädtischen Flanierzone erfolgt durch den Umbau der Straße. Ziel ist hierbei die Schaffung eines räumlichen Zusammenhangs durch Straßenbegrünungen mit der heterogene Rand stärker geschlossen werden kann, eine Erweiterung der Flächen für Fußgänger und Radfahrer sowie integrierte Stellplätze.“
Soweit die Ankündigung aus dem Handlungskonzept der Planungsgruppe Darmstadt. Den Ist- Zustand kennt jeder Büdinger und hat ihn schon mehr als einmal verflucht. In Zeiten des Berufs- oder sonstigen stärkeren Verkehrsaufkommens ist die Bahnhofstraße schon jetzt nur noch im „Stop & Go“ Verkehr zu befahren. Hier ein LKW, da ein Bus, ab und zu die Fußgängerampel vor dem Amt für Bodenmanagement (sollten da nicht auch Bäume davor gepflanzt werden?) auf „Halt“ und schon stehen alle Räder still. Auch eine Art von Verkehrsberuhigung.
Nach Jahren der Planung erfolgte jetzt die vollmundige Ankündigung des Umbaus. Im Januar, eventuell im Februar, nein spätestens im März soll der Umbau starten. Fragt sich nur in welchem Jahr. 2010 wird das bestimmt nichts mehr. Die Bauleistung ist meinem Wissen nach noch nicht ausgeschrieben und die Straßenbaufirmen haben dank des milliardenschweren Konjunkturpaketes die Auftragsbücher voll. So ein klitzekleines Versehen ficht natürlich niemanden an, kann ja mal passieren.
Wenn der Umbau trotz aller Versäumnisse vielleicht im übernächsten Jahr abgewickelt ist, hat Büdingen eine neue Straße, die jeden der eigentlich nur durchfahren will in seinen Bann schlägt und zum Verweilen animiert. Der Flaneur hat dann die Wahl zwischen fünf oder sechs Bäckereien mit angeschlossenen Cafes, zwei Schuhgeschäften und einem Bürofachhandel. Ungeheuer verlockend. Wäre dann noch die Frage der Parkplätze. Das Planungskonzept sieht Sitzgelegenheiten und Bäume am Straßenrand vor. Wo sollen die Autos dann hin? Das Parkhaus reanimieren? Diese Investitionsruine könnte durch Parkraumverknappung edlich ihrem eigentlichen Zweck zugeführt werden.