Büdingen

… der ganz alltägliche Wahnsinn …

Wie politisch darf der Wähler sein?

Wie der Herbst auf den Sommer folgt kam es schon in der vergangenen Wahlnacht zu ersten Schuldzuweisungen lokaler Politprominenz. Nicht die eigene Strategie war falsch, nein der Wähler hat die große Vision nicht verstanden und trägt Schuld an dem für die zwei großen Parteien nicht sehr glücklich verlaufenen Wahlausgang der Bürgermeisterwahl in Büdingen.

“Das ist das Votum der unpolitischen Mehrheit, die sich nach wie vor von einem Frühstücksdirektor blenden lässt”.

So äußerte sich eine verbitterte Heidi Schlösser, ihres Zeichens Fraktionsvorsitzende der SPD Büdingen über die 6.524 Wähler, die dem Amtsinhaber Erich Spamer erneut das Vertrauen aussprachen und ihm eine weitere Amtszeit als Bürgermeister der Stadt Büdingen ermöglichen.

Kein Wort der Selbstkritik, kein Hinterfragen der überbrachten Botschaft- so sie denn vorhanden war- nein, wie nicht anders zu erwarten Vorwürfe an die Adresse des Wählers. Der hat durchaus den SPD Wahlkampfslogan „Büdingen entscheidet“ aufgenommen und entschieden. Leider nicht so wie es die Büdinger SPD erhoffte.

Wesentlich differenzierter sah es der unterlegene Kandidat Bernd Christoph Skudelny.

“Nein, Wähler lassen sich nicht blenden. Die überlegen sehr wohl, wo sie das Kreuzchen machen. Jetzt müssen wir einiges aufarbeiten.”

Wahre Worte. Der Wähler ist mitnichten so uninformiert und unpolitisch wie es Frau Schlösser unterstellt. Wie bitte soll sich der Wähler mitteilen, wenn nicht in Wahlen?

Ebenso souverän äußerte sich der CDU- Kandidat Heinz-Walter Müller.

“Als Opposition haben wir viel zu lange persönliche Nadelstiche setzen wollen, statt die Sachpolitik in den Vordergrund zu stellen. Das muss sich ändern.”

Respekt Herr Müller, wenigstens Sie haben das Kernproblem erkannt. Bleibt die Frage offen ob die großen Strategen der Büdinger CDU ihre Haltung überdenken und endlich die auch von Ihnen vermisste Sachpolitik vor persönliche Befindlichkeiten stellen. Das werden die nächsten Tage zeigen. Warten wir die kommenden Pressemeldungen ab. Persönlich glaube ich nicht daran, doch lasse ich mich gern vom Gegenteil überzeugen.

Aber zurück zu Frau Schlösser. Eine gewisse Selbstreflexion lässt sie angesichts ihrer Aussage vermissen. Eine sachliche und professionelle Auseinandersetzung mit dem Willen des Wählers sieht meines Erachtens etwas anders aus als das, was dem Redakteur des „Kreis-Anzeiger“ in die Feder diktiert wurde. Vielleicht besinnt sie sich für die kommenden Jahre mit einem Bürgermeister Spamer auf einen seriösen Dialog.

Wünschenswert wäre dies jedenfalls.

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